16.07. Besichtigung Windhoeks


Heute morgen wurden wir Austauschschüler ins Goethe-Zentrum zu einem Frühstück eingeladen. Unteranderem war die namibianische Partnerorganisation vom VDA, die Kulturbeauftragte der deutschen Botschaft in Namibia und ein paar Namibianer mit deutschen Wurzeln da. Uns wurde ein kurzer Einblick in die Geschichte, Geographie etc. des Landes Namibia gegeben. Namibia, wie ihr wisst, war ja mal eine deutsche Kolonie und es wohnten sehr viele Deutsche hier. Heutzutage kann man das noch ganz stark daran sehen, dass diverse Städte und Straßennamen deutschsprachig sind. Es gibt hier in Namibia auch eine deutsche Zeitung names "Allgemeine Zeitung". Namibia ist ein sehr großes Land im Vergleich zu Deutschland! Man könnte problemlos London, Berlin, Teile Polens und Rom in die Fläche von Namibia einsetzen und man wäre immer noch auf Staatsterritorrium. In Namibia leben ca. 2.1 Mio. Leute, davon allein 400.000 in der Hauptstadt (!) Windhoek. Die südliche Küste ist ganz dünn besiedelt, da dort die Wüste Namib liegt. Im Norden hingegen, an der Grenze zu Angola, lebt der Großteil der nicht in Windhoek wohnenden Bevölkerung. Im Norden wird sehr viel Landwirtschaft betrieben, was im Süden wegen des fehlenden Regens unmöglich ist. Allerdings wird in der Namib viel Bergbau praktiziert, da dort große Vorkommen an Diamanten bzw. Gold liegen. Im Winter fällt die Temperatur fast nie unter null, tagsüber kann es schon mehr als 25 Grad haben. Europäer leiden sehr unter der trockenen Luft, die es hier gibt. Ich selbst muss mich mehrmals am Tag mit Feuchtigkeitscreme oder Sonnencreme bzw. Labello eincremen. Amtssprache Namibias ist Englisch, doch es gibt mehrere weit verbreitete Sprachen wie Afrikaans, Okawango, Rukawango, Otjiherero und Deutsch. Namibia ist am Tag des Mauerfalls in Deutschland von Südafrika unabhängig geworden. Wäre die Mauer nicht gefallen, wäre die Verfassung Namibias heute mehr kommunisitisch angehaucht, da Namibia gute Beziehungen zur Sowjetunion hatte. In Namibia gibt es so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel. Jeder nimmt das Auto oder man nimmt ein Taxi, die aber sehr gefährlich sind, da in 90% der Unfälle, die in Namibia passieren, ein Taxi verwickelt ist. Die Bildung in Namibia ist schon relativ liberal jedem zugänglich. Die Primary School (Grundschule) ist in fast allen Fällen frei, hingegen wenn man auf die Secondary School kommt, muss man entweder viel Geld haben oder man geht an eine staatliche Schule, deren Abschluss aber fast keinen Wert hat und der Unterrichtsausfall massiv ist. Durch den Sport kann sich Namibia leider wenig repräsentieren, da alle guten Sportler nach Südafrika auswandern. 

Nach den offiziellen Teil mit ein paar Reden und eben der Präsentation von Namibia wurden wir auf eine Stadtrundfahrt eingeladen. Zuerst ging es nach Kleinwindhoek, wo eigentlich auch Windhoeks Entstehung beginnt und sehr viele deutschstämmige leben. Unteranderem hatten wir die Möglichkeit Catatura, ein sehr armes Viertel ausserhalb der Stadt zu besichtigen. Die Leute dort leben meist ohne fließend Wasser und Strom, da sich viele einen Anschluss nicht leisten können. Der Staat investiert viel in örtliche Anbindung von Medizin und Bildung, damit die im Armenviertel lebenden Leute kurze Wege haben und nicht zu einen der beiden Krankenhäusern in der Stadt müssen. Was ich auch noch sehr bemerkenswert finde ist, dass es in Namibia keine Postboten gibt. Jeder hat eine Postbox, zu der er selber hinfahren muss um seine Post abzuholen. Am kolonialen Bahnhof von Windhoek, den wir auch besuchten, fahren pro Tag nur 2 Züge, einer in die Walfish Bay und einer nach Swakopmund an die Küste. Der Zug ist sehr billig, er kostet 100 N$, also umgerechnet gerade mal 8Eur, aber er braucht bis zum nächsten Tag, bis er sein Ziel erricht hat. Sehr veraltete Züge, die fast keiner ausser die ärmsten der Armen noch nutzen. Das Parlament von Windhoek, namens Tintenpalast, dem Sitz des Nationalrats und der Nationalversammlung gilt als typisches Beispiel eigenständiger deutscher Kolonialarchitektur. In Anspielung auf "die zahlreichen Schreiberlinge und ihren hohen Tintenverbrauch" nannte die deutsche Bevölkerung das Gebäude spöttisch „Tintenpalast“. Der Palast ist von einem großen Park - den sogenannten Parlamentsgärten - umgeben, der sich bei der Stadtbevölkerung großer Beliebtheit erfreut. 

Am Abend bei der Oma von Casey durfte ich Biltong, eine Art Trockenfleisch probieren. Es ist sehr gewöhnungsbedürftig, schmeckt aber nicht mal so schlecht, wie ich davor gedacht habe. 

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Kommentare: 5
  • #1

    Sylvia (Samstag, 19 Juli 2014 19:00)

    Niklas das war sehr interessant und informativ. Über die Bezeichnung Tintenpalast musste ich schmunzeln, umschreibt es doch treffend die Wirklichkeit!

  • #2

    niknamibia (Sonntag, 20 Juli 2014 09:36)

    Ja das tut es ! :D

  • #3

    Pascal (Montag, 21 Juli 2014 21:09)

    Sehr toll geschrieben!
    Wünsch Dir weiter viel spannendes und nicht zu viel Fastfood :P und uns weiter so tolle Berichte.

    LG
    Pascal

  • #4

    Sabine (Freitag, 25 Juli 2014 15:59)

    Hi Nik,
    hatte Dir ja schon gesagt, dass es toll beschrieben ist und wir das genauso empfunden und erlebt haben.
    Und auch wir fanden Biltong sehr gewöhnungsbedürftig ;-) (Es wird niemals meine LEibspeise werden!) ABer Du wirst bestimmt noch Gelegenheiten haben andere namibianische Köstlichkeiten zu testen. Wir fanden ja KUDU unblaublich toll. Es ist ein unglaublich schönes Tier und hat echt leckeres Fleisch.)
    LAss es Dir gut gehen und genieß die Zeit in diesem wundervollen Land.

    Ganz lieber Gruß aus Göttingen

    Bine&Daniel

  • #5

    Kai V-G (Sonntag, 27 Juli 2014 14:45)

    Hallo Nik, hast Du toll geschrieben! Hast Dir ja echt viel Mühe gegeben :-)
    Ess ruhig mal ein bischen Biltong für mich mit - bittee :-)
    Und wenn Du mal an der Küste bist, dann ess mal geräucherten Kattfisch - lecker !!!!
    Geniess die Zeit & viele Grüße von Sylt